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Inflation oder Deflation?

By Flo | Februar 15, 2010

Die umstrittenste Frage, die etliche Wirtschaftsblogs seit geraumer Zeit umtreibt, dreht sich um den Weg, auf dem die aktuelle Überschuldung abgebaut werden wird. Zunächst haben ja im Verlauf der Krise Staaten ihren Banken, Unternehmen und Bürgern unter die Arme gegriffen. So langsam erreichen wir aber den Punkt, an dem sich zeigt, dass sich die Staaten damit selbst in die Bredouille bringen.

Wenn eine Gesellschaft mehr Schulden hat, als sie zurückzahlen kann, gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten diese loszuwerden: Inflation oder Deflation. Im Falle der Inflation wird die Geldmenge vergrößert (im Zeitalter von Papiergeld, bzw elektronischem Geld ist das kein Problem), und von dem zusätzlichen Geld können die Schulden beglichen werden. Weil es aber plötzlich viel mehr Geld gibt, verliert das Geld an Wert, und Waren werden teurer. Verlierer sind Sparer und Leute mit festem Einkommen.

Im Falle der Deflation läßt man zu, dass Organisationen oder Menschen insolvent gehen. Durch die Insolvenz werden diese wieder schuldenfrei. Leider verlieren die Gläubiger das verliehene Vermögen. Durch das so verschwindende Vermögen schrumpft die Geldmenge und man nennt das Ganze Deflation.

Es gibt also immer Verlierer, denn mit den Schulden wird zwangsläufig auch Vermögen vernichtet. Aber welcher Weg des Schuldenabbaus ist nun der wahrscheinlichere? Ich denke, dazu sollte man sich zuerst überlegen, wer diesen Weg beeinflussen kann. Am ehesten natürlich die Mächtigen im Land. Und, machen wir uns nichts vor, das sind gleichzeitig zumeist die Reichen.

Versetzen wir uns also in die Situation eines wirklich reichen Menschen hinein. Nennen wir ihn Herrn R. Er hat mehr Geld als er jemals – trotz seines aufwendigen Lebensstils – ausgeben könnte. Der Nutzen des größten Teils von Herrn R’s Vermögens liegt also nicht wie bei Otto Normalverbraucher darin, dass er seinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann. Nein, es dient zu etwas anderem, denn Geld bedeutet auch Status und Macht. Und bei beidem ist die absolute Menge der durch das Geld repräsentierten Kaufkraft irrelevant. Es zählt allein die Höhe des Vermögens relativ zum Vermögen der Anderen.

Ob Herr R. zehn Milliarden oder nur noch fünf Milliarden Euro hat, ist irrelevant, so lange das gleiche Missgeschick auch allen anderen Reichen zustößt und er dadurch nicht als Versager dasteht. Also würde Herr R. verhindern wollen, dass er mehr verliert als die anderen. Das ist schwierig in einem deflationären Umfeld, wo es unklar ist, wer als nächstes seine Schulden nicht begleichen kann. Mit etwas Glück kann Herr R. sein Vermögen halten oder gar steigern. Mit etwas Pech aber legt Herr R. sein Geld bei einem Pleitier an, und fällt dadurch aus den Top-10 der reichsten Deutschen. Quel Malheur!

Im inflationären Umfeld würde Herr R. dagegen auf jeden Fall Geld verlieren. Da dies aber allen anderen ebenso widerfährt, muss er sich keine Gedanken um seinen Platz in den Top-10 machen. Und sein Lebensstandard ist gesichert, so lange die Inflation nicht völlig aus dem Ruder läuft – Herrn R. würde also eine maßvolle Inflation besser in den Kram passen als Deflation.

Zudem ist unklar, welche Art von Vermögensvernichtung für die breite Masse der Bürger besser ist. Dies hängt zu sehr von der persönlichen Einkommens- und Vermögenssituation ab. Daher wird Otto Normalverbraucher zwar eine Meinung dazu haben, aber jeder eine andere. Nun gut, in Deutschland ist die Angst vor Inflation ziemlich ausgeprägt, aber in den europäischen Nachbarländern sieht das Bild gemischter aus.

Also haben Leute wie Herr R. eine reelle Chance die Politik in Richtung Inflation zu beeinflussen. Daher rechne ich mit Inflation, aber nur falls wirklich klar ist, dass es als Alternative Deflation geben wird und die Durchwurstel-Taktik fehlschlägt. Das dürfte erst nach einer ausreichend langen deflationären Phase der Fall sein, die dann entsprechend dem politischen Willen in Inflation münden würde.

Topics: Wirtschaft

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