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Cold Turkey

By Flo | Mai 13, 2010

So. Nachdem ich nun wohlbehalten aus der Türkei zurück bin, habe ich mich entschlossen, einen Beitrag mit obigem Titel zu schreiben. Es dreht sich dabei natürlich nicht um die kühlen Wetterverhältnisse, die die Reisegruppe in den ersten Tagen der Reise in Istanbul erlebte. Oder um eine andere Episode auf der durchweg erbaulichen Reise. Nein, es geht um etwas ganz anderes.

Wie Ihr sicher mitbekommen habt, haben unsere geliebten EU-Finanzminister ein Rettungspaket für strauchelnde Euro-Staaten im Umfang von 750 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Gleichzeitig bricht die europäische Zentralbank EZB ihre Prinzipien, und kauft, an der Geld-Quelle sitzend, Staatsanleihen gefährdeter Staaten. Damit sind die Würfel in die Richtung gefallen, die ich schon vor einer Weile aus ganz anderen Erwägungen heraus vermutet habe: langfristig kommt die Inflation.

Denn jetzt heisst es alles oder nichts. Wir können es uns schlicht nicht leisten die 750 Mrd zu verlieren. Das heisst, im Zweifel wird neues Geld hinterhergeworfen werden. Und damit sind wir auch schon beim Cold Turkey.
Dabei handelt es sich, wie ihr vielleicht wisst, um einen umgangssprachlichen Ausdruck für harten Drogenentzug. Ein Süchtiger tut fast alles, um sich davor zu schützen. Unsere Gesellschaft verhält sich genau so, nur dass unsere Drogen Kredit und Wachstum heissen. Was bei Entzug passiert, konntet Ihr ja bei den Unruhen in Griechenland bequem vom Fernseher aus beobachten.

Die weitere Ausweitung der Krise war durchaus zu erwarten. Denn substantielles, reales Wachstum wird zur Ausnahmeerscheinung in einer Welt, die ihre Resourcen bis zum Maximum ausnutzt. Lasst euch da nichts vormachen und nicht etwa irgendwelche Spekulanten als Sündenböcke auftischen. Wir brauchen mittelfristig grundlegende Reformen in unserer Art zu wirtschaften, und keine gigantischen Heftpflaster oder gar Methadon. Sonst kommt der nächste, noch größere Knall so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur die Politik will die Realität, genau wie der Drogensüchtige, nicht wahrhaben und echte Konsequenzen ziehen.

Zudem habe ich bisher noch keinen rundum überzeugenden Vorschlag gesehen, wie wir unsere Wirtschaft besser organisieren können. Aber ich suche, und ihr solltet das auch tun. Manchmal kommt es nämlich durchaus vor, dass Leute wie Du und ich weniger betriebsblind sind, als die „Experten“.

Topics: Gesellschaft, Wirtschaft

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