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Imperium Americanum

By Flo | Juni 20, 2010

Gerade habe ich das Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ von John Perkins fertig gelesen. Naja, eigentlich habe ich die englische Fassung, aber vermutlich dort steht das gleiche drin…

In dem Buch erzählt Herr Perkins von seiner Zeit als, wie er es leicht scherzhaft bezeichnet, Economic Hit Man, oder kurz EHM. Seine Aufgabe zwischen 1971 und 1981 bestand darin, die Durchsetzung amerikanischer Wirtschaftsinteressen weltweit zu unterstützen. Dies erreichten die EHM dadurch, dass sie in Schwellenländern gigantische Infrastrukturprojekte propagierten. Diese Projekte wurden natürlich von amerikanischen Unternehmen durchgeführt, die damit entsprechend riesige Gewinne einfuhren.

Ihr fragt euch vermutlich, wie sich die Schwellenländer solche Großprojekte leisten konnten. Ganz einfach, natürlich über Kredit! Natürlich waren diese Art Geschäfte nicht wirklich von Vorteil für die betroffenen Länder, die sich komplett überschuldeten. Allerdings profitierten die lokalen Führungseliten, denn die verdienten kräftig mit.

Herr Perkins und die anderen EHM sorgten damals dafür, dass das alles einen seriösen Anstrich bekam, indem sie extrem optimistische Prognosen über die positiven Effekte der Projekte erstellten. Dadurch konnten sich alle gegenseitig vorlügen, dass das Ganze zum Besten aller sei. Ein Effekt der Überschuldung war, dass sich die Länder in die Hand der Schuldner begaben, die dadurch weitere Zugeständnisse verlangen konnten, wie zum Beispiel die Ausbeutung von Rohstoffen durch amerikanische Unternehmen.

Es ging also darum, Macht und Einfluss des Imperium Americanum auszubauen. Der Vorteil dieses Vorgehens war, dass dies auf friedlichem Weg geschah. Man sollte nämlich nicht vergessen, dass damals der kalte Krieg tobte, und die Amerikaner deshalb nach nicht-militärischen Mitteln suchten, ihre Einflusssphäre auszubauen. Es ging also um die Interessen von Staat und Unternehmen gleichermaßen. Daher wurde, wie Herr Perkins berichtet, auch nicht lange gefackelt, wenn die EHM keinen Erfolg hatten. In diesem Fall wurden die Leute geschickt, die John Perkins „Schakale“ nennt. Diese inszenierten dann „Unfälle“ von unkooperativen Staatsoberhäuptern und ähnliches.

So weit ist das alles natürlich nichts spektakuär Neues. Was an dem Buch aber, neben der Kritik an diesem Vorgehen interessant ist, ist die Perspektive des Autors. Er beschreibt plausibel, wie man zu so einem Job kommt, ohne ungewöhnlich „böse“ zu sein. Wie er sich einredete nichts Schlimmes zu tun, aber dann doch immer mehr von Selbstzweifeln zerfressen wurde. 1981 hat er deshalb seinen EHM-Job aufgegeben und kämpft heute gegen die Verquickung von staatlichen und Wirtschaftsinteressen.

Topics: Gesellschaft, Wirtschaft

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