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Wissensgesellschaft und Medienindustrie

By Flo | Juli 19, 2009

Aus gegebenem Anlass möchte ich mich heute den aktuellen Entwicklungen zur Wissensgesellschaft widmen. Was versteht man unter dem Begriff Wissensgesellschaft? Wikipedia (Link wegen deutscher Interpretation von Haftung bei Urheberrechtsverletzungen entfernt) sagt dazu:

Zitat wegen Leistungsschutzrechts entfernt.

In einer Wissensgesellschaft sollte also versucht werden, möglichst effizient Wissen und Informationen in Form von Medien aller Art nutzbar zu machen. Damit das funktionieren kann, benötigt die Wissensgesellschaft vier Voraussetzungen:

Fällt euch auf, was in dieser Aufstellung weitgehend fehlt? Es ist die Rolle der Verlage als Vermittler zwischen Urheber und Nutzer. Die Verfügbarkeit kann über das Internet hergestellt werden. An allzu guten Konditionen für den Kunden sind sie natürlich ebenso wenig interessiert, wie an einer großzügigen Bezahlung ihrer Autoren. Ein Kompensationssystem für Autoren braucht jedenfalls nicht zwingend einen Verlag.
Es bleibt noch die Auffindbarkeit relevanter Informationen. Hier spielen Verlage tatsächlich eine wichtige Rolle. Es muss schließlich festgestellt werden, was ist wichtig, und was ist Unsinn.
Wenn man sich aber zum Beispiel den Nachrichtenbereich anschaut, schwindet auch hier die Bedeutung der Verlage. Meldungen werden zu großen Teilen einfach von Agenturen wie dpa oder Reuters übernommen und etwas aufbereitet. Damit erledigen die Agenturen die Prüfung, ob eine Nachricht vertrauenswürdig ist. Ob sie für den jeweiligen Leser relevant ist, muss nicht zwingend eine Redaktion prüfen, sondern dies kann oft von Suchmaschinen erledigt werden.

Kein Wunder also, dass die traditionelle Medienindustrie in Aufruhr ist. Ihr Geschäftsmodell befindet sich in Auflösung. Also versucht sie mit Ihrer geballten Macht die Veränderungen zu blockieren. Und Macht hat diese Industrie zweifellos. Immerhin veröffentlicht die Branche im Augenblick noch fast alle Nachrichten und meinungsbildenden Artikel in Deutschland. Da die Medienlandschaft in Deutschland von lediglich einer Hand voll Konzerne beherrscht wird, ist zudem die Koordination von Lobbyinteressen besonders einfach. Bei der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, KEK, könnt Ihr übrigens recherchieren, zu welchem Konzern eure Lieblingszeitung oder euer Lieblingsfernsehsender gehört. Die IT-Freaks unter euch finden den heise-Verlag dort allerdings nicht, denn der ist zum Glück noch in keinen Konzern eingegliedert.

Zum Beispiel wird gerade Google von Politik und Medien in großem Stil attakiert (natürlich im Namen der armen Autoren, denn die Verlagsinteressen werden üblicherweise heruntergespielt), weil es Nachrichten und Bücher durchsuchbar macht. Einer der Journalisten, dessen Interessen angeblich vertreten werden, hat eine lesenswerte Replik (Link wegen deutscher Interpretation von Haftung bei Urheberrechtsverletzungen entfernt) zu einem der Angriffe verfasst.

Ausserdem ist auffällig, wie die Verbreitung von eBooks sabotiert wird. Gerade gestern machte die Nachricht die Runde, dass Amazon bereits verkaufte eBooks von den Kindle-Lesegeräten seiner Kunden löschen musste. Das fördert nicht gerade das Vertrauen in diese neue Technologie. Zumal ausgerechnet George Orwells 1984 betroffen war. Honi soit qui mal y pense.
Ausserdem werden völlig sinnlose Nutzungsbeschränkungen für eBooks eingeführt. Mein Bruder konnte zum Beispiel ein eBook nicht bei Fictionwise erwerben, da der Verlag nicht möchte, dass das Buch ins Ausland (von den USA aus gesehen) verkauft wird. Schade nur, dass der fragliche Titel bei keinem europäischen Händler gelistet ist.

Es bleibt also spannend, wie sich die Wissensgesellschaft und das Verlagswesen weiter entwickeln werden.

Topics: Gesellschaft

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