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Kuba in der Krise

By Flo | Dezember 31, 2010

Nun ist es schon drei Wochen her, dass ich von meinem Kuba-Urlaub zurück bin, aber ich habe immer noch nichts darüber geschrieben. Nunja, ich hole das heute hiermit nach, und zwar sogar noch im alten Jahr…

Was an Kuba besonders interessant ist, sind natürlich die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Land. Immerhin handelt es sich um eines der letzten sozialistischen Länder. Zunächst fällt auf, dass die Leute zwar arm sind, und sich nur enge, heruntergekommene Wohnungen, kaum Elektronikspielzeug (der Altar der Postmoderne, der Fernseher, ist aber meist vorhanden) und offenbar nicht jeden Tag Fleisch leisten können. Auf der anderen Seite scheint es jedoch kaum extreme Armut zu geben. Dies deckt sich mit der hohen Lebenserwartung und geringen Säuglingssterblichkeit, die in Kuba herrscht. Wenn mal wieder etwas nicht so klappt, wie es soll, tut es der Kubaner mit einem Achselzucken und dem Ausspruch „Cuba real“ ab. Viel mehr bleibt ihm auch nicht übrig, denn tiefergehene Kritik am System zu üben, ist keine gute Idee in Kuba. Den Andeutungen zufolge wird die Bevölkerung auch diesbezüglich überwacht, die Stasi läßt grüßen.

Was man jedoch anerkennen muss, ist, dass sich die kubanische Regierung nicht ganz blöd anstellt, um das Land zu managen. Zum einen ist da der hohe Bildungsgrad der Bevölkerung, der zwar Kosten und tendenziell aufmüpfigere Bürger verursacht, aber doch die Voraussetzung für eine modernere Wirtschaft schafft. Im Augenblick lebt das Land noch hauptsächlich von Landwirtschaft, Tourismus und vom Abbau von Bodenschätzen wie Nickel. Es wird aber, offenbar mit Erfolg, versucht, modernere Industriezweige wie Biotechnologie im Land aufzubauen. Zum anderen bemüht sich die Regierung, das kleine Land von den Launen und Manipulationen der internationalen Währungsmärkte abzuschirmen, indem dort augenblicklich zwei Währungen im Umlauf sind. Die eine Währung ist für Dinge des täglichen Bedarfs vorgesehen, die andere, der „CuC“, für den Außenhandel (also für Touristen, Sprit, usw) gedacht. Zudem kann der Kubaner über Lebensmittelmarken verbilligt bestimmte Güter kaufen. Diese verschiedenen Zahlungsweisen sollen dafür sorgenn, dass die Kubaner unabhängig von Preisschwankungen ihre Grundbedürfnisse befriedigen können. Viel mehr können sie sich aufgrund ihres geringen Gehalts auch nicht leisten.

Der Außenhandel ist übrigens immer noch durch das Embargo des wichtigsten Nachbarlandes, den USA, deutlich beeinträchtigt. Das wiederum macht es spannend, wie Kuba mit der Krise zurecht kommt Es ist nämlich weitgehend entkoppelt von den Kapitalmärkten und treibt wenig Außenhandel wegen des Embargos. Durch den Tourismus findet dann aber doch eine Kopplung statt. Denn in der Krise blieben die Touristen als wichtige Einnahmequelle aus. Das, und die unausweichlichen Ineffizienzen einer zentral gesteuerten Wirtschaft, führen dazu, dass Kuba nun auch in gewissem Maße marktwirtschaftliche Reformen angehen muss. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, das Land behutsam und im Sinne der breiten Bevölkerung zu reformieren. Eine radikale Hau-Ruck-Aktion, wie z.B damals in Russland, von der vor allem die heutigen Oligarchen profitierten, würde ich den Kubanern nicht wünschen.

Insgesamt muss ich sagen, dass es die Kubaner deutlich schlechter hätten erwischen können, insbesondere wenn ich mir die Geschichte in einigen anderen lateinamerikanischen Ländern anschaue. Trotzdem wird sich das Land wandeln müssen, vielleicht nicht gerade hin zum puren Kapitalismus, aber doch zu einer Art regulierten Marktwirtschaft. Und ganz besonders drücke ich den Kubanern die Daumen, dass sie möglichst bald eine echte Meinungs- und Pressefreiheit bekommen.

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