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Gladio

By Flo | Februar 23, 2011

Letzte Woche lief auf Arte eine Dokumentation über Gladio. Für alle, die wie ich die Sendung verpasst haben, findet sich die Doku in mehrere Häppchen verteilt auch auf Youtube. Ihr fragt euch jetzt vermutlich, was Gladio überhaupt ist. Mir ging das jedenfalls bis vor Kurzem so, darum will ich euch kurz aufschlauen.

Bekanntlich fing nach dem zweiten Weltkrieg ziemlich unmittelbar der kalte Krieg in Europa an. Man hatte Angst davor, dass die Sovjets Europa überrollen. Also hat der CIA zur Unterstützung der NATO ein geheimes „Stay-behind“-Netzwerk in Europa errichtet. Dabei handelte es sich um eine Art Schläferorganisation, die im Ernstfall die russischen Truppen sabotieren sollte. Die Schläfer wurden mit Waffen, Munition und Sprengstoff versorgt und entsprechend ausgebildet.

Leider ist der CIA schon damals durch sein besonderes Demokratieverständnis aufgefallen. Es wurden nämlich in Deutschland, aber auch in anderen Ländern bevorzugt altgediente Nazis rekrutiert, weil diese am wenigsten verdächtig waren, die Kommunisten zu unterstützen. Gladio (das war eigentlich der Codename der italienischen Teilorganisation, aber er wird nun stellvertretend für die gesamte „Stay-behind“-Organisation verwendet) operierte natürlich, ohne dass die jeweiligen Parlamente der „Gastländer“ informiert gewesen wären. Ein Haufen schwerbeaffneter Neo-Nazis wäre der Bevölkerung schliesslich schwer zu verkaufen gewesen.

Das ganze ging bis in die 60er Jahre gut, als in Italien die kommunistische Partei an Einfluß gewann. Als überzeugte Anti-Kommunisten taten die italienischen Gladio-Mitglieder das, wozu sie rekrutiert worden waren: Sie versuchten den Vormarsch des Kommunismus zu stoppen. Dazu verwendeten sie eine Taktik, die Hitler schon mit dem Reichstagsbrand erfolgreich angewendet hatte. Sie verübten etliche Terroranschläge (einige davon mit sehr vielen Toten), und versuchten sie den Linken in die Schuhe zu schieben.

Das klappte auch ganz gut, bis ein unermüdlicher Untersuchungsrichter die Ungereimtheiten und Vertuschungen genauer unter die Lupe nahm. Er brachte es fertig, in den Archiven die italienischen Militärgeheimdienstes zu stöbern, und deckte 1990 die Existenz von Gladio auf. Praktischerweise war 1990 auch der kalte Krieg zu Ende, und unsere Bundesregierung konnte die Auflösung des bis dahin geheimen deutschen Gladio-Ablegers bekannt geben.

Leider hält unsere geliebte Bundesregierung die Dokumente zu Gladio auch weiterhin unter Verschluss. In dem Arte-Film wird nämlich auch eine Verbindung von Gladio zum Münchner Oktoberfestattentat von 1980 hergestellt. So wie das in der Dokumentation dargestelt wird, riecht das alles zumindest schwer nach Vertuschung. Es wäre schon interessant zu wissen, was damals wirklich abgelaufen ist.

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