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Die Bundeswehr und die Energiekrise

Von Flo | 31. August 2010

Spiegel online verlinkt heute eine Studie der Bundeswehr zum Thema Peak Oil. Wie Ihr als eifrige Leser dieses Blogs sicher noch wisst, geht es bei Peak Oil darum, dass das Angebot an bezahlbarem Erdöl eines Tages zurückgehen muss, weil die billig zu erschließenden Quellen allmählich erschöpfen.

Wegen er herausragenden Bedeutung von Erdöl als Rohstoff und Energieträger wird dies gravierende Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft und die gesamte Gesellschaft haben. In der Studie werden nun die möglichen Auswirkungen insbesondere auf Deutschland analysiert. Die Studie erscheint mir recht ausgewogen zu sein (ich habe sie bis jetzt nur überflogen). Wenn Ihr eine Kurzzusammenfassung lesen möchtet, sollltet Ihr euch den oben verlinkten Spiegel-Artikel zu Gemüte ziehen.

Einerseits bedeutet die Studie, dass die Regierung nicht ganz so ahnungslos sein kann, wie sie nach aussen den Eindruck vermittelt. Das ist ziemlich positiv. Interessant finde ich aber, dass die Studie nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Sie ist, wie so viele relevante Dokumente der letzten Zeit, über das Internet ge-”leakt”. Wünschenswert wäre also eine offensivere Informationspolitik der Regierung.

Update: Norbert Rost weist mich auf seine Zusammenfassung der Studie hin, die darauf abzielt, auch die möglichen Vorsorgemaßnahmen auf kommunaler Ebene darzustellen.

Mehr Zeit im Netz

Von Flo | 22. August 2010

Vor einer Woche bin ich über das ePaper-Angebot der Wochenzeitung ZEIT gestolpert. Ich habe ja schon seit einer Ewigkeit ein Hörbuchabo der ZEIT bei Audible. Das nutze ich recht ausgiebig, um die Zeit, die ich im Auto verbringe, sinnvoll zu nutzen. Allerdings enthält das ZEIT-Hörbuch nur ausgewählte Artikel, und zudem würde ich gerne ab und zu etwas nachlesen. Die Print-Ausgabe besteht mir wiederum aus zu viel totem Holz, um das es schade wäre, wenn ich mal nicht dazu käme, mich ausführlich darin zu vertiefen.

Von daher kommt mir die ePaper-Variante sehr entgegen. Als Abonnent der ePaper-Zeit bekommt man zum einen eine PDF-Datei, die das Layout der gedruckten Ausgabe mitsamt all der Grafiken 1:1 nachbildet. Interessanter für mich ist aber die ebenfalls enthaltene Epub-Version. Hierin fallen die meisten Grafiken flach, und es gibt kein festes Layout. Dafür ist die Epub-Version geeignet für Ebook-Reader, auf denen man mit für A2-vorformatierten PDFs wenig Freude hätte. Das bringt den Vorteil mit sich, dass ich die ZEIT plötzlich auf Taschenbuchformat geschrumpft überall mit hin nehmen kann. Ich kann sogar darin im Zug lesen ohne den Sitznachbarn beim blättern zu belästigen.

Das Ganze hat natürlich auch Nachteile. So wird naturgemäß durch das Taschenbuchformat die Übersicht reduziert, denn man sieht immer nur einen Artikel gleichzeitig. Zudem sind Bildartikel ohne zugehöriges Bild nicht sehr sinnvoll. Im Rahmen dieser Einschränkungen ist aber die Epub-Version gut gemacht und es lässt sich gut darin schmökern.

Der Preis für die elektronische Zeit ist wirklich in Ordnung: 6 Monate kosten 30 Euro, und zudem gibt es momentan die Audio-Ausgabe kostenlos als Dreingabe dazu. Das Beste aber ist, dass auf alberne Kopierschutz-Massnahmen verzichtet wurde, also kein DRM verwendet wird. Dadurch lässt sich die ZEIT bequem auf jeglicher Art Endgerät nutzen (bei Audible habe ich z.B. das Problem, dass mein MP3-Player nicht unterstützt wird – dies ist nun durch den Verzicht der ZEIT auf DRM kein Thema mehr).

Es handelt sich also um ein sehr faires Angebot der meiner Ansicht nach immer noch besten Wochenzeitung Deutschlands (auch wenn mich gelegentlich ein paar Artikel ärgern, aber man muss sich ja auch an etwas reiben können). Und da das Angebot fair ist, habe ich auch kein Problem damit monatlich fünf Euro zu berappen, und die Macher damit zu unterstützen. Von wegen Internetnutzer müssen immer alles umsonst haben. Ich glaube dass die Leute gerne einen angemessenen Preis für Qualität zahlen. Daher bleibt mir ich nur sagen: Weiter so, gute alte, neue Tante ZEIT!

Afghanistan und die Medien

Von Flo | 9. August 2010

Der Afghanistan-Krieg beschäftigt die Medien ja bereits eine Weile. Um genau zu sein, acht Jahre, denn so lange dauert der Krieg dort schon an. In den letzten Wochen gab es allerdings ein paar auffällige und interessante Entwicklungen in der Berichterstattung.

Im Zentrum der Entwicklung steht wikileaks.org, eine Whistleblower-Webseite. Wie Ihr sicher mitbekommen habt, hat Wikileaks kürzlich 75000 als geheim deklarierte Dokumente veröffentlicht, die den Kriegsalltag in Afghanistan widerspiegeln. Dazu gibt es auf Wikileaks ein ebenfalls geheimes Video, das zeigt, wie Journalisten in Afghanistan von amerikanischen Soldaten – bitte entschuldigt die Wortwahl – abgeknallt werden.

Auch die deutsche Kundus-Affäre hat nicht gerade zur Popularität dieses Krieges beigetragen. Aus Gründen, über die man nur spekulieren kann, scheint der Afghanistan-Krieg jedoch für einige einflussreiche Leute (eventuell stammen diese aus der Rüstungs- oder Rohstoffindustrie) recht wichtig zu sein. Jedenfalls hat die CIA schon im März ein Dokument erarbeitet, wie man einer schwindenden Unterstützung des Krieges durch die deutsche und französische Bevölkerung entgegenwirken kann. Das beste an diesem Dokument ist, dass es ebenfalls auf wikileaks gelandet ist!

Der CIA weißt darin darauf hin, dass sich sowohl Obamas guter Ruf als auch insbesondere die Lage der afghanischen Frauen für Propagandazwecke nutzen lässt. Natürlich gibt es in Afghanistan neben den vielen Kriegsopfern, über die man eher ungern spricht, mehr als genug schreckliche Schicksale, die sich hierfür ausschlachten lassen. Heute berichtet der Spiegel über die Ermordung einer schwangeren Witwe. Letzte Woche machte die Nachricht über ein verstümmeltes Mädchen die Runde. Wie gesagt, diese Schicksale sind zweifellos schrecklich. Aber die Häufung dieser Art Nachrichten ist doch ziemlich auffällig.

Was bedeutet das für unseren Medienkonsum? Es bedeutet, dass es Organisationen gibt, die gezielt Meldungen platzieren, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Die Meldungen selbst sind dabei natürlich nicht falsch. Die Manipulation findet vielmehr durch die Auswahl und Aufmachung der jeweiligen Meldung statt. Selbstverständlich ist auch jedes Blog, meines inbegriffen, subjektiv gefärbt. Aber bei Blogs ist dies offensichtlich, während viele Leute die großen kommerziellen Medien für objektiv halten. Die Lehre, die wir ziehen sollten, lautet also, dass wir uns bei jeder Art Meldung, egal woher sie stammt, fragen müssen, inwieweit sie wirklich die ganze Wahrheit vermittelt.

Ach ja, die Medienschlacht tobt natürlich auch an anderen Fronten. Die Amerikaner (sogar die Demokraten) wollen wikileaks den Informantenschutz entziehen. Es darf schließlich keinesfalls sein, dass das gemeine Volk ungefiltert nachvollziehen kann, was in seinem Namen und mit seinem Geld so passiert.

Vom Unsinn der Öffentlich-Rechtlichen Sender

Von Flo | 29. Juli 2010

Die Zeit hat einen schönen Artikel zum Zustand der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ins Netz gestellt. Kritisiert wird die ständig abnehmende Qualität des Programms, und es wird nachh Ursachen geforscht.

Eigentlich würde mich die ganze Diskussion nicht tangieren, denn ich komme seit 15 Jahren ganz gut ohne Fernseher aus. Ab dem 1.1.2013 muss jedoch jeder Haushalt Fernsehgebühren zahlen, wie zum Beispiel die FAZ berichtet. Ich wäre gerne bereit, meinen Teil dazu beizutragen, hochwertige Sendungen zu finanzieren, die der Allgemeinbildung der Bevölkerung zu Gute kommen – selbst wenn ich kein Empfangsgerät besitze. Denn ich würde indirekt profitieren durch noch mehr interessante Denkanstöße und Diskussionen mit meinen fernsehschauenden Mitmenschen. Aber für den unverholenen Versuch, weite Teile eben dieser Mitmenschen zu verblöden, auch noch bezahlen zu müssen, ärgert mich ehrlich gesagt ein wenig.

Eigentlich sollte es meiner Meinung nach nur noch bis zu drei ÖR-Programme geben. Vor 30 Jahren kam man damit auch aus. Zudem gibt es heute die Privaten, die sich auf Unterhaltung spezialisiert haben. Die ÖR könnten sich auf das konzentrieren, das die Privaten nicht leisten können: ihren Bildungsauftrag. Sie sollten sich also auf Informationssendungen, relevante Diskussionen, Nachrichten, Reportagen und kulturelles Nischenprogram, das in den Privaten keine Chance hätte, beschränken. So wäre durch die Kombination aus privaten und ÖR-Sendern die Grundversorgung, die die Begründung für die Fernsehgebühr darstellt, sowohl besser als auch billiger als mit dem jetzigen System gewährleistet.

Selbstverständlich wird dies nie passieren, denn die Sender wirken immer noch in hohem Maße meinungsbildend. Und an einer solchen Einschränkung haben sie natürlich überhaupt kein Interesse.

Tarkovsky Filme

Von Flo | 14. Juli 2010

Für die Cineasten unter euch habe ich auf OpenCulture ein besonderes Highlight entdeckt: Es gibt alle Tarkovsky-Filme zum kostenlos online anzuschauen. Ich weiss nicht ob euch der Name etwas sagt, aber Tarkovsky war ein sehr bekannter russischer Regisseur. Die Filme treffen sicher nicht den Massengeschmack, denn Tarkovsky erzählt sehr gemächlich in langen Einstellungen, die manchmal auf den ersten Blick etwas unpassend wirken. Doch das ganze ist natürlich Kunst, und da darf man so etwas. Ein bisschen erinntert der Mann an Kubrick, also dürfte es kontroverse Meinungen über seine Filme geben.

Wenn Ihr mal ganz krass Tarkovsky mit modernem Hollywood-Kino vergleichen wollt, empfehle ich euch Solaris. Teil 1 und Teil 2 von Tarkovskys Solaris findet Ihr online, das Hollywood-Remake könnt ihr zum Beispiel hier auf DVD erwerben. Und wenn Ihr schon dabei seid und die Romanvorlage von Stanislaw Lem noch nicht kennt: an das Buch reicht natürlich wie meistens keiner der beiden Filme heran…

Disclaimer: Wie üblich habe ich, wenn ich DVDs und Bücher erwähne, zu Amazon verlinkt, weil ich so ein paar Cent bekommen würde, wenn Ihr etwas über so einen Link kauft.

Imperium Americanum

Von Flo | 20. Juni 2010

Gerade habe ich das Buch “Bekenntnisse eines Economic Hit Man” von John Perkins fertig gelesen. Naja, eigentlich habe ich die englische Fassung, aber vermutlich dort steht das gleiche drin…

In dem Buch erzählt Herr Perkins von seiner Zeit als, wie er es leicht scherzhaft bezeichnet, Economic Hit Man, oder kurz EHM. Seine Aufgabe zwischen 1971 und 1981 bestand darin, die Durchsetzung amerikanischer Wirtschaftsinteressen weltweit zu unterstützen. Dies erreichten die EHM dadurch, dass sie in Schwellenländern gigantische Infrastrukturprojekte propagierten. Diese Projekte wurden natürlich von amerikanischen Unternehmen durchgeführt, die damit entsprechend riesige Gewinne einfuhren.

Ihr fragt euch vermutlich, wie sich die Schwellenländer solche Großprojekte leisten konnten. Ganz einfach, natürlich über Kredit! Natürlich waren diese Art Geschäfte nicht wirklich von Vorteil für die betroffenen Länder, die sich komplett überschuldeten. Allerdings profitierten die lokalen Führungseliten, denn die verdienten kräftig mit.

Herr Perkins und die anderen EHM sorgten damals dafür, dass das alles einen seriösen Anstrich bekam, indem sie extrem optimistische Prognosen über die positiven Effekte der Projekte erstellten. Dadurch konnten sich alle gegenseitig vorlügen, dass das Ganze zum Besten aller sei. Ein Effekt der Überschuldung war, dass sich die Länder in die Hand der Schuldner begaben, die dadurch weitere Zugeständnisse verlangen konnten, wie zum Beispiel die Ausbeutung von Rohstoffen durch amerikanische Unternehmen.

Es ging also darum, Macht und Einfluss des Imperium Americanum auszubauen. Der Vorteil dieses Vorgehens war, dass dies auf friedlichem Weg geschah. Man sollte nämlich nicht vergessen, dass damals der kalte Krieg tobte, und die Amerikaner deshalb nach nicht-militärischen Mitteln suchten, ihre Einflusssphäre auszubauen. Es ging also um die Interessen von Staat und Unternehmen gleichermaßen. Daher wurde, wie Herr Perkins berichtet, auch nicht lange gefackelt, wenn die EHM keinen Erfolg hatten. In diesem Fall wurden die Leute geschickt, die John Perkins “Schakale” nennt. Diese inszenierten dann “Unfälle” von unkooperativen Staatsoberhäuptern und ähnliches.

So weit ist das alles natürlich nichts spektakuär Neues. Was an dem Buch aber, neben der Kritik an diesem Vorgehen interessant ist, ist die Perspektive des Autors. Er beschreibt plausibel, wie man zu so einem Job kommt, ohne ungewöhnlich “böse” zu sein. Wie er sich einredete nichts Schlimmes zu tun, aber dann doch immer mehr von Selbstzweifeln zerfressen wurde. 1981 hat er deshalb seinen EHM-Job aufgegeben und kämpft heute gegen die Verquickung von staatlichen und Wirtschaftsinteressen.

Online-Demos

Von Flo | 5. Juni 2010

Diese Woche war ja für ein paar Tage Frau von der Leyen als neue Bundespräsidentin im Gespräch. Wie ihr vermutlich mitbekommen habt, ist ihr Name bei vielen Internet-Nutzern wegen ihrer populistischen Argumentation und Unzugänglichkeit gegenüber Sachargumenten in der Diskussion um Netzsperren verbrannt. Entsprechend überraschte es wenig, dass sich umgehend Widerstand im Netz gegen diese Nominierung formierte. Am auffälligsten in dieser Hinsicht war die Facebook-Gruppe “Zensursula – Not My President!”. In dieser Gruppe fanden sich innerhalb von zwei Tagen über 20.000 User zusammen, um gegen die Entscheidung zu protestieren.

Aber was bringt so eine Online-Demonstration überhaupt? Dazu sollten wir uns die beiden Funktionen einer friedlichen Demonstration vergegenwärtigen. Die offensichtliche Funktion ist es, der Politik klar zu machen, dass ein Thema einer Bevölkerungsgruppe wichtig ist. Ob die Politik etwas aus dieser Erkenntnis macht, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Zudem tauchen Online-Demonstrationen nicht unbedingt auf dem politischen Radar auf, denn sie werden (zumindest von der älteren Generation an Politikern) nicht ernst genommen.

Es gibt jedoch noch eine zweite Funktion einer Demo, die vielleicht sogar wichtiger ist. Es wurde nämlich beispielsweise von allen Medien kolportiert, dass Frau von der Leyen in der Bevölkerung überaus beliebt sei. Wenn ein Kritiker solche Aussagen ständig vorgebetet bekommt, fühlt er sich mit seiner Meinung allein, verstummt, gerät in Selbstzweifel oder versucht seine Meinung anzupassen. Die Macht dieses gruppendynamischen Mechanismus ist gar nicht zu unterschätzen. Durch solche Rückkopplungen des einzelnen mit der ihn umgebenden Gruppe wird die Herausbildung gemeinsamer sozialer Normen vermutlich überhaupt erst möglich.

Eine Demonstration, egal, ob on- oder offline, zeigt dem einzelnen nun, dass er nicht alleine da steht und dass seine Meinung sozial akzeptabel ist. Dies bestärkt ihn in dieser Meinung, und führt dazu, dass er sie offensiver vertritt oder danach handelt. Auf diese Weise werden plötzlich Meinungen populär, die von den großen Medien nicht oder kaum unterstützt werden. Weil die großen Verlage fast alle zu noch größeren Konzernen mit eigenen Interessen gehören, ist dies selbstverständlich förderlich für die Meinungsvielfalt in Deutschland und damit für die Demokratie. Es ist also ganz klar zu bejahen, dass Online-”Demos” mit all ihren Schwächen doch etwas bringen.

Die Entscheidung, fiel übrigens aus einem ganz anderen Grund gegen Frau von der Leyen aus: die Union wollte keine zwei Frauen an der Spitze des Staates


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